Die Geschichte des Sellerie

Written by on 11. Mai 2020

Sellerie (sein alter deutscher Name ist Eppich) hat als Gewürz eine lange Geschichte. Etwa 1000 v.Chr. finden sich in Ägypten Blätter und Blüten in einer Girlande, mit der die Mumie des Kent geschmückt war. Es wird vermutet, dass er zu dieser Zeit in China auch bekannt war. 

Theophrast nennt den wilden oder Sumpfsellerie eleioselinon und die westlichste griechische Stadtgründung auf Sizilien 628 v.Chr. weist sie mit dem Namen Selinunt als „Selleriestadt“ am „Selleriefluss“ Selinus aus. 

Wie wichtig den Griechen der Sellerie war, geht daraus hervor, dass es Münzprägungen mit Blattzipfeln dieser Pflanze gibt.

Dioskorides unterscheidet den „zamen Eppich“ vom „Wasser-“ oder „Bawren Eppich“ und schreibt beiden arzneiliche Wirkung zu. „Der Eppich mit Brodt oder Gerstengrieß zum Pflaster gemacht / und ubergelegt / vertreibt die Hitze der Augen / sänfftiget die Entzündung deß Magens / er benimpt die hartigkeit der Brüste / so sich von wegen der gekästen Milch erhaben hat. Eppich rohe oder gesotten gessen / treibt den Harn. Die Brüh … widerstehet allem Gifft / und führt dieselbige durch ein Erbrechen auß.“ 

Auch Walahfrid Strabo ist voll des Lobes:

„… Denn wenn ihre Samen zerrieben du einnimmst, Soll, wie man sagt, dies die quälenden Leiden der Blase beheben. Ißt man jedoch sie selbst mit dem zarten Trieb, so verdaut sie Reste von Speisen, die noch im Innern des Magens rumoren.
Wenn den Tyrannen des Körpers würgender Brechreiz belästigt, Trinke man Sellerie gleich mit herbem Essig und Wasser, Dann wird, vom sicheren Mittel besiegt, die Übelkeit weichen.“

Der Floridus Macer berichtet in gleicher Weise über die medizinischen Anwendungen, stellt aber Überlegungen zum Namen voran: „Apium heißt das Kraut, dieweil es auf dem Kranz (lat. apex) des Siegers pflegte getragen zu werden, wenn nach den Sitten der Alten ein Triumphzug stattfand. Diese Eppichkrone soll Herakles, der Alkide, als erster selbst sich aufgesetzt haben; die Folgezeit behielt den Brauch dann bei. 

Andere Autoritäten vertreten dagegen die Meinung, Apium habe seinen Namen davon, dass die Bienen (lat. apes) in heftiger Begier dessen Blüten zu ernten pflegen.“ Interessant ist, dass der Autor des Floridus Macer sich die dichterische Freiheit nimmt und aus dem Kranz, der dem Sieger der nemeischen Spiele verliehen wurde, wie Plinius berichtete, den Kranz des Triumphators eines römischen Triumphzuges macht.

Aber wie der Sellerie den Lebenden als unentbehrliches Requisit des Ruhmes diente, so wurde er auch im Totenkult genutzt. Selleriegerichte und Eppichgewürze waren unabdingbare Bestandteile des Totenmahls. Sellerie wurde zum Schmuck der Toten und der Gräber verwendet.

Seit alters schreibt man ihm eine Wirkung als Aphrodisiakum zu, was scheinbar im krassen Widerspruch zu seiner Verwendung im Totenkult steht, andererseits aber nicht als Trauergeste, sondern als Jenseitshoffnung gedeutet werden kann. „Er wird bald Eppich brauchen!“ sagte man, wenn jemand schwer krank und dem Tode nahe war. 

Die Wandelbarkeit des Symbols belegt auch eine Geschichte aus dem Krieg zwischen Griechen und Karthagern um Sizilien im 4. Jh. v.Chr. von der Plutarch berichtet. Als die Krieger des klugen korinthischen Feldherrn Timoleon auf dem Anmarsch zu einer Schlacht waren und ihnen eine mit Eppich beladene Maulesel-Karawane begegnete. „Er wird bald Eppich brauchen“ erkannten die Soldaten das schlimme Vorzeichen, doch Timoleon wand sich schnell einen Kranz aus Eppichblättern und forderte seine Offiziere auf ein gleiches zu tun. Er rief seinen Soldaten zu: „Welches Glück, man bringt uns die Siegeskränze schon im Voraus!“ Die glaubten ihm, gingen mutig in den Kampf und siegten.

Scheinbar unausrottbar ist der Glaube an die aphrodisische Wirkung des Sellerie, wenn diese ihm heute auch schlichtweg aberkannt wird. Sprüche wie der folgende aus der Pfalz zeugen davon: „Schatzl´ back mer Aier / Mit Zellerie und Salat, / Am Sonntag gehe mer maie, / Mei Mudder hat´s gesaht.“

Im Mittelalter und in der Renaissancezeit diente der Sellerie hauptsächlich als Arzneipflanze. Beschreibungen im 17. Jh. lassen erkennen, dass er allgemein in den Gärten gezogen und Blätter, Stängel und Wurzel gegessen wurden. Bleich- und Knollensellerie sind in dieser Zeit in Italien herausgezüchtet worden und letzterer ist über Frankreich nach Deutschland gekommen, weshalb sich aus dem franz. Namen céleri die heute gebräuchliche Bezeichnung Sellerie eingebürgert hat. 



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